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Das Stück toppte alles, was Grell jemals auf seine Ein-Mann-Bühne gebracht hatte und ließ sogar gekonnte Hermann Hesse-Interpretationen blass aussehen. Als einsamer Sträfling erzählt er in der Zelle seinem Musikinstrument namens Bandoneon, dass er den Ehemann seiner Tanzpartnerin Margarita niederschlug und verbluten ließ. Für die schöne Margarita hatte der Musiker zuvor sogar bei einem nach Knoblauch und Schweiß stinkenden Tanzlehrer das Tango tanzen erlernt. Über heimliche romantische Treffs in Cafés und Museen geht die Beziehung zu Margarita aber nicht hinaus. Als der Ehemann ihr aus Eifersucht das Tanzen verbietet, bricht sie den Kontakt zum Musiker ab. Schlaflosigkeit und Kontrollverlust aus unerfüllter Liebe sind die Folge.
Der Musiker versucht vergeblich mit dem Handy die Beziehung wieder aufzunehmen, als er schließlich mit dem Wagen vor ihrer Haustür steht, und stattdessen der Ehemann auf den Beifahrersitz steigt, kommt es zum Drama („Was ist schon Tango – verklemmte Männer reiben sich an scharfen Frauen“). Im Gefängnis wurde dem Mörder aus Liebe das Bandoneon spielen unmöglich – bis zu dem Zeitpunkt als ihn plötzlich und unerwartet ein vor sechs Jahren abgesendeter Brief von Margarita in der Zelle ereilt – und was darin steht, wird auf immer das Geheimnis des Stückeschreibers sein und ist der Phantasie des Publikums überlassen.